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Erzbistum Bamberg setzt auf Dialog und Synodalität

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Erzbischof Gössl setzt pastorale Orientierungen für eine Kirche mit Zukunft in Kraft / Neue Orte des Glaubens / „Loslassen und Abschiednehmen“ nötig
Datum:
Veröffentlicht: 11.1.26
Von:
HA Seelsorge
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Bamberg. Mit neuen pastoralen Orientierungen stellt das Erzbistum Bamberg die Weichen für eine lebendige und zukunftsfähige Kirche. Dabei sollen die Prinzipien der Synodalität und des Dialogs handlungsleitend sein, sagte Erzbischof Herwig Gössl, der die „Entwicklungslinien“ mit Wirkung zum Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, in Kraft setzte. Die sich verändernden Lebensrealitäten in der Gesellschaft und die unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnisse der Menschen machten es erforderlich, die kirchlichen Strukturen und Angebote neu auszurichten. „In dieser Situation ist Jesus Christus unser Maßstab“, betonte Gössl. 

Pastorales Handeln entwickle sich ausgehend von und gemeinsam mit den Menschen, ihren jeweiligen Lebenswelten und sozialen Bezügen, ihren Bedürfnissen, Freuden, Hoffnungen, Sorgen, Zweifeln, Ängsten und Nöten. Die Kirche wolle Gemeinschaft unter den Menschen fördern, „nicht in einer exklusiven Form, sondern im Blick auf alle Menschen in ihrer Einzigartigkeit und in ihrer Lebenswirklichkeit“. Weiter heißt es: „Daher treten wir für eine Welt ein, in der Unterschiedlichkeit als Bereicherung erfahren wird.“

Die Entwicklung mache die Grenzen der bisherigen kirchlichen Strukturen mit ihren personellen und finanziellen Möglichkeiten deutlich. Dies habe zur Folge, dass nicht flächendeckend alle Angebote aufrechterhalten werden können, so Gössl. Ein „wertschätzendes Abschiednehmen“ sei erforderlich. Nötig sei die Bereitschaft, Liebgewordenes loszulassen und Dinge aufzugeben, die einmal wichtig waren und immer noch sinnvoll sind, aber nicht mehr gehalten werden können. Zugleich müssten neben bestehenden Kirchorten neue Orte der Hoffnung und des gelebten Glaubens gefördert werden. Auch experimentell-innovative Ansätze und Initiativen sollen systematisch begleitet und unterstützt werden. Die Feier der sonntäglichen Eucharistie bleibe an ausgewählten Orten Höhepunkt und Mitte des Glaubens, damit Menschen die Nähe Gottes erfahren können. Daneben sei auch die Feier weiterer vielfältiger liturgischer und spiritueller Formen zu fördern. 

Pastorales Handeln finde mitten in der Gesellschaft statt und sei durch Eigeninitiative und Engagement, die sich dort zeigen, inspiriert. Gemeinschaftlich gelebter Glaube geschehe in den Familien und überall dort, wo Menschen ihr Christsein und ihre Überzeugung im Alltag und auch in der digitalen Welt leben. „Gemeinschaftlich gelebter Glaube ist dynamisch und nicht an bestehende Orte und Gebäude gebunden“, heißt es in den Orientierungen. 

Daher bestehe nicht der Anspruch, kirchliches Leben im Sinne einer Versorgung durch Haupt- und Ehrenamtliche flächendeckend aufrecht zu erhalten. Die Verwaltung werde effizient und zentral in Seelsorgebereichen organisiert. Ein weiteres Anliegen ist die enge Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen und kirchlichen Akteuren im Sozialraum. Die Kirche möchte sich als zuverlässige Partnerin in der Gesellschaft verstehen, die ihre Verantwortung aktiv mit anderen übernimmt. Dies schließt ökumenische Partnerschaften sowie die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen, Verbänden und Einrichtungen ein. 

Der zentrale Orientierungspunkt für kirchliches Handeln sei Jesus Christus, betonte der Erzbischof. Auf sein Wort, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung müssten sich alle Formen kirchlichen Lebens beziehen. Die Kirche von Bamberg bewege sich im Rahmen der gesamtkirchlich gültigen Regeln und Normen und nutze die sich bietenden Möglichkeiten und Räume. „Dabei sind wir getragen von der festen Überzeugung, dass es im Letzten nicht auf unseren Beitrag ankommt, sondern auf Gottes Wirken, damit unser Tun als Kirche fruchtbar wird“, so Gössl. 

Die pastoralen Orientierungen schreiben den Pastoralplan „Den Aufbruch wagen – heute!“ aus dem Jahr 2005 fort, der weiterhin in Kraft bleibt. Zugleich bilden sie den Auftakt des pastoralen Bistumsprozesses „Entscheiden und Handeln: Für eine Kirche mit Zukunft“. Auf Basis der Orientierungen sollen die Seelsorgebereiche eigene pastorale Strategien und innovative Ideen entwickeln, wie sie künftig vor Ort Kirche sein wollen. Anhand von Rückmeldungen aus der Praxis sollen die erzbischöflichen pastoralen Orientierungen dynamisch fortgeschrieben werden.

Hier können die pastoralen Orientierungen als PDF-Dokument heruntergeladen werden.